Fett und Protein hoch, Kohlenhydrate runter? Auf der Suche nach einer leistungsoptimierenden Ernährung für Allroundsportler

Bis vor Kurzem habe ich mich nur mit der Ernährung meiner Haustiere in komplexerem Ausmaß auseinandergesetzt. Bei mir selbst galt der Grundsatz „Was schmeckt und keine Histaminbeschwerden hervorruft, ist gut für mich.“ Um zumindest nicht völlig in Getreidekost unterzugehen, kamen zumindest etwas Fleisch, Proteinshakes und eine Prise Halbwissen in Bezug auf Nährstoffverteilung dazu.

Mein Bandscheibenvorfall, der mich insgesamt fast 4kg Gewicht (wohl kaum Körperfett dabei) gekostet hat, hat mich etwas umdenken lassen. Auf der Suche nach einer passenden Ernährungsform stieß ich auf CBL, das vereinfacht gesagt an Nichttrainingstagen und an anderen bis nach dem Krafttraining höchstens 30g Kohlenhydrate vorsieht. Fett und Eiweiß verteilen sich 1:1 bezogen auf Gramm. Zwar ist dieses Konzept nicht unbedingt für Frauen geeignet und schon gar nicht für Ausdauersportler, aber es klang so vielversprechend, dass ich es drauf ankommen lassen wollte.

Ich las mich also besser ein und startete die 10-tägige Vorbereitungsphase, und las noch mehr. Dabei stieß ich auf Kiefers (Mastermind des CBL) Website auf einen interessanten Text: Er betreute eine Marathonläuferin und „verordnete“ ihr die Ernährungsweise Carb Nite, da Frauen nunmal einen anderen Hormonhaushalt und Stoffwechsel haben als Männer.
Sie konnte ihre Laufleistung tatsächlich signifikant steigern. Ich war fasziniert und bestellte mir das Buch.

Mittlerweile hatte ich auch die Vorbereitungsphase mit Ultra low Carb Ernährung (<30g KH / Tag) und das späte Frühstück schätzen gelernt – nach dem bisherigen riesigen Frühstücksmüsli fiel ich sonst immer spätestens nach zwei Stunden in ein Hungerloch. Jeder Vormittag war geprägt vom Stress auch ja genug zu essen, um den Arbeitstag zu überstehen und ich war immer müde. Diese Müdigkeit war wie weggeblasen und auch der Heißhunger blieb aus, obwohl ich nun vormittags weniger aß als zuvor und die Hauptnahrungszufuhr sich auf Nachmittag und Abend beschränkte. Auch verlor ich die „Angst“ vor Fett, die über Jahre geschürt worden war.

Auf der Suche nach mehr Hintergrundwissen fiel mir ein Artikel, den ich im Trail Magazin gelesen hatte, wieder ein (Dr. Rainer Haarfeldt, Grundlagen – Ernährung, Trail Magazin, Ausgabe 3.2012, S. 18/19). Da ging es um die Ankurbelung des Fettstoffwechsels – für Langstreckenläufer unerlässlich, da Glykogen endlich ist – und um die Erhöhung der maximalen Sauerstoffaufnahme. Dr. Haarfeldt schlägt eine Ernährung aus mindestens 50% Fett, mindestens 1,5 – 2g Protein pro kg Körpergewicht und weniger als 20% aus KH vor – Low Carb also.

Ich stolperte Google sei Dank über einen Artikel mit mehr wissenschaftlichem Hintergrund zum Thema Low Carb bei Ausdauersportlern: High fat diets and endurance excercise performance. Spätestens ab da war ich völlig „angefixt“. Der Schwenk von CBL auf CN war somit einbetoniert.

Seit ungefähr einem Monat ernähre ich mich nun so und mein kleines Zwischenfazit fällt durchwegs positiv aus. Auch die anfängliche Angst mit ULC (Ultra Low Carb), nicht genug Nahrung runterzubekommen, um den Gesamtbedarf abzudecken, war unbegründet – das funktioniert wunderbar.

Ich halte mein Gewicht, aber die Form wird besser.
Fett ist entstigmatisiert.
Ich bin trotz Histaminangst experimentierfreudiger.
Eine Terminverschiebung, die eine Mahlzeit rauszögert, artet nicht mehr in Schweißausbrüchen, Konzentrationsproblemen und Schwindel aus.
Fettes Essen befriedigt ungemein. Längere Sporteinheiten, wie zB. intensives Mountainbiken, lassen sich super ohne Kohlenhydratgel aushalten, wo mir sonst immer nach maximal 1,5 Std. das Licht ausging.
Ich esse unbeschwerter und mache mir nicht mehr ständig Gedanken, dass die Tagesbilanz zu ungesund ausfallen könnte, denn das tut sie bei ULC einfach nicht.

Wenn mein Rücken wieder belastbarer ist und ich somit wieder „echtes“ Krafttraining betreiben kann, werde ich allerdings zu CBL wechseln, um hoffentlich ordentlich zuzulegen.

Auch wenn nicht absehbar ist, wie sich das langfristig entwickelt, so bin ich doch nach dem Bandscheibenfrust wieder frohen Mutes!

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