Wettkampfbericht – Bikini

Vor einigen Tagen trat ich das erste Mal bei einem Bodybuildingwettkampf an. Auf Grund meiner Statur entschloss ich mich, in der Bikini-Klasse zu starten.
Nach Wochen der Vorbereitung fühlte ich mich bereits die Tage davor in Topform – es konnte also losgehen.

Nach einer kurzen Farbnachjustierung (man muss sich bereits am Tag davor mind. zwei Mal mit speziellem Selbstbräuner einschmieren, da das Bühnenlicht sonst die Muskelkonturen verschluckt) schnappten mein Mann und ich die bereits gepackte Tasche und marschierten zum Ort des Geschehens.

Zur Einstimmung gab’s bereits Tags zuvor ausschließlich Eurodance zu hören. Ich fühlte mich wie eine orange Buffalo-Plateau-Warrioress. Beim Friseur saß auch bereits eine weitere orange Braut und die Friseurin fragte wie aus der Pistole geschossen, ob wir zusammengehören. 😀

Um nicht am Veranstaltungsort in Stress zu verfallen, schmiss ich mich beim Friseur am WC in den Bikini und schmierte die Kriegsbemalung (die Schminke 😉 ) drauf, die mir meiner Meinung nach sehr gut gelungen ist. Durch die extreme Körperbräune und die Beach-Friese als Komplettierung sah auch überhaupt nicht affig aus.

Gott sei Dank waren wir bereits knapp nach 9:00 Uhr am eigentlichen Ort des Geschehens und hatten somit noch die freie Auswahl in der Umkleide – ein ganzer Tisch war also unser und ich konnte meine riesige Tasche ausbreiten. Die war randvoll mit dem Hausstand einer Tussi bestückt – von Abschminktüchern über Nähzeug, doppelseitiges Busenklebeband, BH-Einlagen für Auspolsterungsnotfälle bis hin zu meinen heißgeliebten Reis Zwerge Keksen von Werz war alles dabei.

Das einzige, was wir nicht mit hatten, war eine Gymnastikmatte. Das werde ich mir für jegliche Events der Zukunft, bei denen ich dehydriert antanzen muss, von den Mitstreiterinnen abschauen – es gibt nix Besseres, als in der Pause die vom zähen Blut vollen Beine hochlagern zu können.

Um 10:00 Uhr begann dann die offizielle Abwaage, zu der sich alle AthletInnen melden müssen. Dort wird kontrolliert, dass man startberechtigt ist und die Kriterien der gewählten Klasse erfüllt.

Nach der Abwaage dauerte es dann eine gefühlte Ewigkeit, bis es endlich mal richtig losging. Dafür wurde es dann ziemlich hektisch, da mein Mann und ich das Einölen verbummelt hatten. Also musste er mit hinter die Bühne, um mich noch schnell-schnell zu betupfen, aber dann war ich gerüstet für den ersten Auftritt.

Ein wenig zittrig war ich schon in den Beinen, weil ich halt genau weiß, dass es nicht meine Art ist, kokett mit Publikum (oder sonst wem) zu spielen, aber das Bühnenfeeling war trotzdem überhaupt nicht unangenehm, eher im Gegenteil. Ich bin zwar nach wie vor keine Rampensau, aber halbseiden im Fokus zu stehen war nicht so schlimm, wie gedacht. Ich war absolut zufrieden mit meiner Leistung und zog mich entspannt in die Mittagspause zurück, zuversichtlich, für das Finale nominiert zu werden.

Dies trat auch ein. 🙂

Die Mittagspause zog sich allerdings endlos dahin. Als es dann endlich wieder losging, wollte ich nach einem Bühneneinmarsch aller AthletInnen nicht wieder zurück in die Umkleide, um den Einölungsstress vom ersten Auftritt zu vermeiden, aber das erwies sich als klarer Fehler.

Meine Beine waren recht schwer vom dicken Blut und die Fußballen taten mir weh, also setze ich mich hin – auf eine Stufenkante statt auf einen Stuhl, um die Farbe am Allerwertesten nicht abzuwetzen. Kardinalsfehler!! Ich hätte bedenken sollen, dass sich ohne ausreichend Körperwasser sofort eine Druckstelle bildet und genau die ging auch nach über zwei Stunden immer noch nicht weg – und das, obwohl mein Mann und ich meinen Hintern im Akkord wieder aufzukneten versuchten. Das muss ein Bild gewesen sein.
Egal!

Die Form im Finale war immer noch top – sehr trocken / hart, Frisur und Make-up saßen ebenfalls immer noch nach all den Stunden.
Ich hab‘ mich, bis auf die Arschdelle, den gesamten Tag und Abend super gefühlt. Was ich nicht gedacht hätte, war, dass mir das wenige Trinken und Essen so gut wie gar nix ausmachen würde. Normalerweise saufe ich ja wie ein Kamel, aber es ist tatsächlich überhaupt kein Problem auch mal nur mit 1/2 Liter Wasser und 6 Keksen auszukommen.

Nach der Siegerehrung war ich trotzdem sehr froh, endlich Spachteln und Trinken zu dürfen und hab’s auch prompt übertrieben – 30g Wheyisolat mit 1,5 Packungen Reis Zwerge Keksen und 1 Liter Wasser ist überhaupt nicht schlau!!
Ich fiel von einer Sekunde auf die andere beinahe ins Insulin bedingte Koma. Mir war schlecht und schwindlig und das Hirn war wie gelähmt.

Eigentlich wollte ich noch die restlichen Finalrunden genießen, aber es ging gar nichts mehr. So packten mein Mann und ich unsere sieben, äh, tausend Sachen und läuteten den Rückzug ein. Aufm Weg zum Auto konnte ich dann nicht mal mehr grade gehen und die Fahrt war die Hölle.

Als ich ca. 2 Std. nach Kekseinwurf unter der Dusche stand, ebbte der Insulinrausch natürlich ab und ich hätte mir in den Hintern beißen können, so fahrlässig gehandelt zu haben.

Tja, eine weitere Lektion, die ich aus dem ganzen mitnehme.

Ich wurde übrigens 4.
Eine bessere Platzierung blieb mir verwehrt und das hatte genau einen Grund: Ich war zu hart. Das bedeutet im BB-Jargon nichts anderes, als dass ich zu definiert war. Mein Körperfettanteil war zu niedrig und somit meine Muskulatur zu stark sichtbar. In der Bikini Klasse wird jedoch ein „weicherer“, schmeichelnderer Look bevorzugt.
Stört mich überhaupt nicht, ich fand mich nämlich rattenscharf. 😀

An dieser Stelle möchte ich mich ganz besonders bei meinem Mann und meinem Vorbereiter bedanken:

DANKE euch!

Ich bin trotz immer etwas undankbarem 4. Platz und tussigem Hinterngewackel so zufrieden, dass ich cht mal ausschließe, ein weiteres Mal in der Bikini Klasse zu starten.

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(Ich hätte zwar noch 100.000 Fotos – vor allem aussagekräftigere, möchte aber meine Privatsphäre wahren und nicht erkennbar zeigen, wo ich wann angetreten bin.)

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